Sonntag, 30. November 2008
Man möge sich bitte eintragen. Bis in einer Woche. Man möge bitte auch unterschreiben. Es ginge dann eine halbe Stunde nach Marktschließung los. Wo, sei noch geheim.

Weihnachtsfeier.




Mittwoch, 26. November 2008
Die Typen in Wäscheservice-gebügelten Hemden, die mit EC-Karten von Banken aus mehreren hundert Kilometern Entfernung ihre Softporno-DVD bezahlen, sollten angesichts ihres Verhaltens an der Kasse eigentlich mal eingehend beraten werden. Diese meist um die 50 Jahre alten Herren bedanken sich überschwänglich (für die Diskretion), sie wünschen (erleichtert, dass man nicht über die Sprechanlage den Preis für die Ware erfragt hat) einen wunderschönen (sic) Tag noch.

Das klingt jedenfalls so, als ob sie doch eher dominante Inhalte bräuchten.




Dienstag, 25. November 2008
Der Weg des Geldes ist für die meisten unergründlich. Ständig ist es woanders, nur nicht auf dem eigenen Konto oder im Portemonnaie.

Soweit ich das beurteilen kann, verlässt das Geld durch mein Zutun die Kassenschublade und wird von mir über ein Rohrpost-System ins Kassenbüro geschickt. Dort gibt es dann entweder ein schwarzes Loch oder schwarz gekleidete Sicherheitsmänner, die fünfstellige Summen ans falsche Ende weiter transportieren.

Wird Zeit für den ersten Lohnzettel.




Samstag, 22. November 2008
Nahrung darf man zwar offiziell während der sechs Stunden nicht zu sich nehmen. Doch wichtig sind die in der Brusttasche transportierten fünf längsten Pralinen der Welt der Discounter schon. Gegen die Unterzuckerung. Ebenso wichtig ist die Verpackung um jeden einzelnen Schokoriegel, denn Geld und Nahrungsaufnahme vertragen sich schlecht. Sehr schlecht.




Freitag, 21. November 2008
Nachfragen per Telefon? Ja, sicher. Aber ja nicht etwas fragen, was man eigentlich in den zwei Anlerntagen von den dienstälteren Aushilfen erklärt bekommen haben könnte. Dann wird einem zwar widerwillig weiter geholfen. Doch man kann mit spitzen Ohren die Augen der Stammbelegschaft am anderen Ende der Leitung rollen hören. Vom grobschlächtigen bis niederträchtigen Gelästere der KassenaufseherInnen über uns Aushilfen ganz zu schweigen.

Hilfesuchende Anrufe werden dort im nachhinein schon mal mit "Der schon wieder" oder "Der studiert bestimmt (setzen Sie hier eine Ihnen geläufige Geisteswissenschaft mit fragwürdiger Reputation ein)!" kommentiert. Humanismus ist jedenfalls nicht zwingend Teil des Anforderungsprofils.

Folglich wird von uns maturierten Drehstuhlvirtuosen und Scanner-Magiern (im Einheitslook) versucht, alles Problematische irgendwie über die Plexiglasscheiben hinweg untereinander zu regeln. Das klappt auch meist sehr gut, denn ein wenig Kollegialität ist unter uns Hackordnungsletzten noch übrig.

Aber der Konformitätsdruck und Duckmäusertum ist groß, denn irgendwie machen sich fast alle die Hoffnung, über das Weihnachtsgeschäft hinaus den (nicht schlecht bezahlten) Job weiter machen zu dürfen. Realistisch gesehen werden von den etwa 15 Wichteln vielleicht nur ein bis drei weiter beschäftigt.

Das falsche Lächeln hängt einem jedenfalls beim Kontakt mit den ewig moppernden AufseherInnen schon zum Halse raus. Ich verspüre latent den Drang, meine Denkblasen in diesen Momenten zu Sprechblasen werden zu lassen. Aber man möchte ja wenigstens bis zum Ende des Vertrages die vertraglich zugesicherte Entlohnung geniessen.

Man bekommt also gepflegt das Gefühl, beim Dahinkassieren nur deswegen keine Fehler machen zu dürfen, da sie für die leidgeplagte Stammbelegschaft nur noch mehr Aufwand bedeuten. Wenige Ausnahmen gibt es da unter den Fachverkäufern, besonders die jungen scheinen zu wissen, dass auch der Kassenjob nicht automatisch ein Zuckerschlecken ist.

Es gibt da im Verwaltungstrakt einen Pausenraum für die Mitarbeiter, wo eigentlich auch kaum miteinander gesprochen wird und beim Hereingucken das Klima einer U-Bahnfahrt im Morgengrauen durch die Scheiben drängt. Kein Blickkontakt bitte, und wehe, man spricht ein persönliches Wort. Aber, fast hätte ich es vergessen: Pausen sind für uns Aushilfen natürlich nicht vorgesehen. Folglich gibt es gar keinen Grund, den Pausenraum zu betreten. Insofern: Keine Pause kann auch okay sein.

Kommunikation brauchen wir nicht, jedenfalls nicht ständig. Und als Motivation reicht ja der Lohnzettel.




Ein wenig Pathos kann nicht schaden.